Nach dem Lockdown jetzt ein Blackout?

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Nach dem Lockdown jetzt ein Blackout?; Bild: Adobe/VVO

Ein Blackout – ein europaweiter Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall. Im Jänner 2020 galt dieser noch als wahrscheinlicher als eine Pandemie oder ein Terroranschlag. In den vergangenen Monaten ist jedoch wohl deutlich geworden, dass solche Ereignisse schneller als gedacht eintreten können. Doch was steckt hinter einem Blackout und wären wir darauf vorbereitet?

Menschen tendieren dazu, sich an vergangenen Erfahrungen zu orientieren und im besten Fall daraus zu lernen. Dabei werden oft die systemischen Risiken und die damit verbundenen Kaskadeneffekte in komplexen Systemen unterschätzt.

Vor allem rechnen Menschen nicht mit dem Eintritt eines Blackouts. Wir leben in einer sehr hohen Versorgungssicherheit und sind gewohnt, alles in hoher Qualität zu Verfügung zu haben. Daher verwechseln wir oft die Abwesenheit von Beweisen mit dem Beweis der Abwesenheit: Nur, weil es bisher nicht zu einem Totalausfall gekommen ist, ist die Gefahr trotzdem präsent.

Seit Jahren steigen die Herausforderungen für eine stabile Stromversorgung im europäischen Verbundsystem, die öffentliche Repräsentation dieses Problems fehlt aber. So sind etwa in Österreich die Kosten für das akute Engpassmanagement von 2 Millionen Euro im Jahr 2011 auf 346 Millionen Euro im Jahr 2018, den bisherigen Höchstwert, gestiegen. Österreich selbst ist zwar in einer guten Lage mit ausgezeichneten Wasser- und Pumpspeicherkraftwerken, trotzdem ist es an 36 andere Länder gebunden und auch von diesen abhängig.

Beispielsweise sollten in Deutschland bis Ende 2022 rund 20 Gigawatt an Atom- und Kohlekraftwerksleistung abgeschaltet werden. Allerdings mussten die Kraftwerke schon nach wenigen Tagen wieder neu hochgefahren werden. Hinzu kommt eine generelle Speicherproblematik in Deutschland und das Problem, dass ein Großteil der bisherigen Kraftwerkparks in den nächsten Jahren ans Lebensende kommen wird und daher ersetzt werden muss.

Laut EU-Vorgabe soll bis 2025 eine massive Ausweitung des Stromhandels geplant sein, wofür jedoch die Infrastruktur noch nicht ausgelegt ist.

Im Falle eines Blackouts würde nicht nur die Stromversorgung ausfallen, sondern auch wichtige Infrastrukturen wären beeinträchtigt. Nach einem Blackout würde auf europäischer Ebene erst nach einer Woche wieder ein Stromnetz aufgebaut werden können, nach weiteren Tagen würde die Telekommunikationsversorgung folgen und zu guter Letzt könnte nach Monaten oder Jahren wieder mit einem breiten Wiederanlauf gerechnet werden.

Doch was kann getan werden, um zu helfen? Kurzfristig ist fast nur eine Vorbereitung auf das Eintreten eines Blackouts möglich und zusätzlich auch das in der Lage sein, mit unerwarteten Ereignissen umzugehen. Besonders wichtig ist es, die Versorgung in den eigenen vier Wänden sicherzustellen. Mittelfristig müsste das Stromversorgungsnetz in robuste Energiezellen umgebaut werden, wo sich Störungen nicht mehr sofort großflächig ausbreiten können.

Eigenvorsorge

Diese äußerst kritische Situation eines Blackouts lässt sich durch einfache und billige Vorsorgemaßnahmen rasch spürbar verbessern. Wie können Sie sich und die eigene Familie zumindest zwei Wochen völlig autark mittels eigener Vorratshaltung versorgen?

  • 2 Liter Wasser pro Person und Tag für zumindest 3 – 5 Tage
  • Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Konserven für 2 Wochen
  • Wichtige Medikamente, Kleinkind- oder Haustiernahrung für 2 Wochen
  • Taschenlampen inkl. Batterien, ein batteriebetriebenes Radio
  • Ein Vorrat an Müllsäcken

 

Quelle: Beitrag von Herbert Saurugg, MSc, einem internationalen Blackout- und Krisenvorsorgeexperten (www.saurugg.net) in der Versicherungsrundschau 5/2021