Gefährliches Halbwissen: Täglich mehr als 800 Unfälle in Österreichs Haushalten

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782.200 Menschen verletzten sich im Jahr 2018 bei Unfällen aller Art in Österreich – Haushaltsunfälle haben dabei mit rund 800 Verletzten täglich den höchsten Anteil. Im Rahmen einer Pressekonferenz diskutierten der österreichische Versicherungsverband VVO, das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und das Rote Kreuz gemeinsam mit Physiker Werner Gruber die Gründe und Möglichkeiten der Unfallvermeidung.

782.200 Menschen verletzten sich im Jahr 2018 bei Unfällen aller Art in Österreich – Haushaltsunfälle haben dabei mit rund 800 Verletzten täglich den höchsten Anteil. Foto: Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs/APA-Fotoservice/Hautzinger

Im Haushalt mehr Unfälle als im Straßenverkehr
Im Jahr 2018 verletzten sich in Österreich 782.200 Menschen bei Unfällen aller Art so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. 2.551 Österreicher (2017: 2.504) starben an den Folgen eines Unfalls. „Betrachtet man die Unfallzahlen in Österreich, so zeigt sich deutlich, dass der höchste Anteil von rund 308.300 Verletzten in die Kategorie der Haushaltsunfälle fällt, das sind mehr als 800 Unfälle in Österreichs Haushalten täglich“, erklärt Prof. Elisabeth Stadler, Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group und Vizepräsidentin des Roten Kreuzes. „Bei Haushaltsunfällen verunglücken mehr Menschen als im Straßenverkehr“, so Stadler.

Das sind die Unfallrisiken der nächsten Monate

Detailanalysen des KFV vom Unfallgeschehen in Österreich zeigen, dass insgesamt 52 Prozent der Verletzten im Jahr 2018 männlich waren, bei den Getöteten betrug der Männeranteil 56 Prozent. Während Männer vor allem bei der Arbeit (68 Prozent), in der Freizeit (58 Prozent) und im Straßenverkehr (56 Prozent) verunglücken, verunfallen Frauen eher im Haushalt (59 Prozent). „In den kommenden Monaten werden vor allem die eigenen Stolperfallen zuhause zur Gefahr werden. Außerhalb der eigenen vier Wände wird Ausrutschen auf glatten Oberflächen wie z.B. Herbstlaub, Eis und Schnee viele Menschen betreffen. Aber auch der Freizeit- und Sportbereich wird Präventionsmaßnahmen, hier vor allem beim Wintersport, besonders wichtig machen“, erläutert KFV-Direktor Dr. Othmar Thann. Rund 100.000 Sportunfälle erwartet das KFV allein in den nächsten 6 Monaten.

Mag. Werner Gruber erklärt die physikalischen Gesetze hinter dem klassischen Leitersturz. Foto: Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs/APA-Fotoservice/Hautzinger

Werner Gruber – Schlau sein: Unfälle sind keine Zufälle!
Werner Gruber, Direktor des Planetariums der Stadt Wien und wohl bekanntester Physiker Österreichs weiß: „Unfälle sind keine Zufälle, sondern haben erklär- und damit auch vermeidbare Ursachen.“ Im Fall von Leitersturzunfällen ist es der falsch gesetzte Schwerpunkt, der zum Fall führt. Oder Herbstlaub ist aufgrund des geringen Reibungskoeffizienten tatsächlich rutschiger als normaler Boden: So lassen Blätter die Reibung unter einer Schuhsohle deutlich sinken. Das heißt, der Boden ist an dieser Stelle deutlich glatter. Damit erhöht sich die Rutschgefahr besonders. Vermeiden ließe sich dieser Unfall entweder durch einen ganz geringen Neigungswinkel des Beines beim Auftritt oder: „Ich empfehle der Gefahrenquelle auszuweichen“, schließt Gruber.

IDB Austria
Seit dem Jahr 1996 erhebt das KFV mit Förderung des Sozialministeriums Verletzungen und Verletzungsmuster in der IDB – Injury Database Austria. Die IDB Austria basiert auf Interviews mit Unfallopfern in ausgewählten Krankenhäusern, in denen detaillierte Fakten über die betroffene Person, beteiligte Produkte, Unfallursachen und Unfallschwere erhoben werden. Zusammen mit der Unfallbeschreibung ergibt dies eine einzigartige Datengrundlage für die Unfallprävention. „Auf Basis dieser umfassenden statistischen Informationen ist es möglich, weitere neue Konzepte zur Verringerung der Unfallzahlen zu entwickeln, verschiedenste Prioritäten in der Unfallprävention zu setzen und Erfolge in der geleisteten Präventionsarbeit nachzuweisen“, so Thann.

Wussten Sie dass,

  • rund 782.200 Menschen im Jahr 2018 aufgrund einer Unfallverletzung im Krankenhaus behandelt wurden. 2.551 Österreicher starben an den Folgen eines Unfalls.
  • Kosten in der Höhe von 15 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr (durch Nichtberufsunfälle) durch Unfälle verursacht werden.
  • sich 75 Prozent aller Unfälle im Haushalt (rund 40 Prozent) oder in der Freizeit bzw. bei der Ausübung eines Freizeitsports ereignen.

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