ZAMG Chef Staudinger “Unser Wetter wird extremer”

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Wetterextreme nehmen zu, erklärt Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), im Interview.

Hr. Dr. Staudinger, haben sich die Wetterbedingungen in den letzten Jahren geändert?

Die Wettergefahren in Österreich variieren von Jahr zu Jahr und können sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Aber in jedem Jahr und zu jeder Jahreszeit kommt es zu markanten Schäden durch extremes Wetter. Tatsache ist aber, dass die Anzahl der Wetterextreme wie Starkregen und Dürreperioden zunehmen werden.

Inwieweit betreffen uns diese Entwicklungen?

Jede Region wird von Klimaänderungen betroffen sein. Die Bevölkerung für Naturgefahren zu sensibilisieren, ist ein wichtiger Teil der Warn- und Präventionsarbeit: Ein einfaches Beispiel, das im Sommer fast täglich vorkommt: Wenn wir eine Gewitterwarnung der niedrigsten Warnstufe ausgeben, hat das für jemanden daheim oder im Büro keine unmittelbare Relevanz. Wer aber an so einem Tag eine Bergtour macht, kann innerhalb kurzer Zeit in Lebensgefahr kommen. Wir versuchen daher mit sogenannten auswirkungs-orientierten Warnungen genau dieses Bewusstsein zu schärfen: Wen kann das bevorstehende extreme Wetterereignis in welcher Situation besonders betreffen.

Was empfehlen Sie?

Das Klimabewusstsein muss auch bei der langfristigen Planung von Schutzmaßnahmen einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Je früher und intensiver sich alle Beteiligten mit möglichen Klimaänderungen auseinandersetzen, desto besser sind die Möglichkeiten, die Bevölkerung und die Infrastruktur in den nächsten Jahren zu schützen. Wir arbeiten auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene mit vielen Regionen zusammen. Ziel ist, die Herausforderungen des Klimawandels genau zu definieren und effiziente Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Viele direkte Schäden oder wirtschaftliche Probleme können durch geeignete Maßnahmen vermieden werden.