Erdbeben in Österreich – eine ernstzunehmende Gefahr

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Erdbeben in Österreich – eine ernstzunehmende Gefahr; Foto: Adobe/VVO

Jüngste Erdbeben in Kroatien und Österreich lassen die Frage aufkommen, wie erdbebengefährdet Österreich wirklich ist. Wie der Titel dieses Beitrags impliziert, wird die Antwort auf die Frage „Ja“ sein, aber dies verlangt natürlich eine etwas ausführlichere Rechtfertigung.

Werfen wir zuerst einen Blick in die Vergangenheit: Das letzte große Beben in Österreich ereignete sich am 16. April 1972 und gilt als stärkstes im Wiener Becken seit 20 Jahren (seit dem Beben vom 1. Juli 2001 mit Magnitude 5,1 und Epizentrum ca. 10 Kilometer südlich von Neunkirchen). Die Schäden reichten von eingestürzten Gebäuden in Niederösterreich bis zu herabfallenden Dachziegeln in Wien. Und bereits dieses Jahr am 30. März erlebte die Bevölkerung Österreichs ein Beben aus Neunkirchen in Niederösterreich mit einer Magnitude von 4,6. Am 20. April 2021 um 0:57 h wurden viele Bewohner im südlichen Niederösterreich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ein Erdbeben erschütterte neuerlich den Raum Neunkirchen. Das Beben hatte eine Stärke von 4,4. Das Epizentrum dürfte im Ort Neusiedl am Steinfeld liegen, unmittelbar neben dem vom März.

Doch wie kann man sich von den Auswirkungen solcher Erdbeben schützen? Die Hoffnung stützt sich dabei in erster Linie auf die Vorhersage. Problematisch dabei ist nur, dass auch wenn es möglich ist Erdbeben vorherzusagen, sie trotzdem stattfinden werden. Und selbst wenn alle Menschen rechtzeitig irgendwohin evakuiert werden könnten, wohin sollen sie zurückkehren, wenn die Gebäude zerstört sind, es keine Versorgung mit Essen und Trinkwasser gibt?

Die Schwierigkeit in der Erdbebenvorhersage liegt in der Eigenart der Prozesse. Beispielsweise bewegt sich die Erdkruste um Millimeter bis Zentimeter im Jahr, das Wetter zum Vergleich jedoch mit mehreren Kilometern in der Stunde. Wettersituationen werden vorhergesagt durch Zustandsänderungen der vorhandenen Situation, während bei Erdbeben die Ursache vorhergesagt wird, also das Eintreten einer Instabilität. Tatsächliche Vorhersagen müssten außerdem den Ort, die Zeit, die Stärke des Erdbebens, alle ihre Unsicherheiten und die Wahrscheinlichkeit der Aussage beinhalten. Um solche Vorhersagen machen zu können, müsste man alle Brüche und ihre Eigenschaften und Zustände in der Erdkruste kennen, die sich aber laufend verändern.

Neben Vorhersagen hilft aber auch die Aufzeichnung von Erdbeben. Derzeit können die 56 Erdbebenstationen der ZAMG in Österreich Erdbeben innerhalb von wenigen Sekunden registrieren. Erfahrungsgemäß kommt es bei mindestens 10 % der automatischen Bewertungen der Erdbeben zu falschen Einschätzungen der Situationen, da die Bestimmung des Orts des Erdbebens und der Magnitude zu ungenau ist. Deshalb muss geprüft werden, ob es sich bei diesen Signalen auch tatsächlich um Erdbeben handelt, damit es zu einer korrekten Einschätzung der lokalen Erdbebengefährdung kommt. Trotzdem wird das Messnetz in Österreich immer genauer und Erdbeben bis zu einer Magnitude von 1,5 können schon flächendeckend erfasst werden.

Doch was kann man tun, um den Schaden eines Erdbebens zu verringern? In Österreich geht man davon aus, dass sich alle paar Jahrzehnte ein Erdbeben ereignet, welches zu Gebäudeschäden führt und größere wirtschaftliche Folgen mit sich bringt. Auch wenn Erdbeben nie so ein Ausmaß erreichen können wie in Kalifornien oder Japan, so verlangt der Europäische Baucode, dass bei der Bemessung von Gebäuden Erdbeben berücksichtigt werden müssen, die mehrere hundert Jahre zurückliegen. 1997 erschien zusätzlich die Norm für die erdbebensichere Errichtung von Bauwerken in Österreich.

Auch wenn es eine Unmöglichkeit ist Naturgewalten wie Erdbeben zu kontrollieren, ist es der Menschheit zunehmend möglich, durch das wachsende Verstehen der Vorgänge zumindest die Auswirkungen mitzubestimmen.