Die „Ever Given“ und die Abhängigkeiten des globalen Handels

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Die „Ever Given“ und die Abhängigkeiten des globalen Handels; Bild: APA Picturedesk/VVO

Die Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff „Ever Given“ sorgte für einen medialen Großauftritt rund um die Welt. Dabei stellt sich die Frage, wie die tatsächlichen Konsequenzen eines solchen Transportausfalls aussehen.

„Havarie Grosse“- eine seerechtliche Besonderheit, bei der die Kosten durch einen Unfall auf die Eigner des Schiffs und der Waren verteilt werden. Auf diese vertraut nun der Kapitän der „Ever Given“, um die hohen Unfallkosten tragen zu könne. Der Havarie Grosse-Beitrag ist dabei in der Transportversicherung (deckt die typischen Risiken der versicherten Güter während der Beförderung ab und ist somit eine klassische Sachversicherung) gedeckt.

In einem Interview mit dem AGCS Global Head of Marine Risk Consulting, Kapitän Rahul Khanna wird besonders auf die Schwierigkeiten bei der Bergung eines Megaschiffs eingegangen: Die Containerkapazität von Schiffen ist in den letzten Jahren um 1.500 % gestiegen. Die „MS Ever Given“ gehört damit zu den Top 1 % der Schiffsgrößen. Bei der Bergung eines solchen Schiffs muss darauf geachtet werden, wie weit das Schiff auf Grund gelaufen ist und ob Hochwasser und geeignete Schlepper zur Bergung reichen, oder ob eine Entladung des Schiffes nötig ist. Mögliche Schadensszenarien sind Schäden an Propeller und Motor, Schäden am Kanal oder Verlust an verderblichen Gütern sowie Betriebsunterbrechung (letztere zählen zu den Haftpflichtansprüchen Dritter).

Generell zeigt sich die Problematik der Mega-Schiffe: Die Bewältigung von Unfällen sind komplexer und teurer, bei Bränden auf den Schiffen kommt es leicht zu hohen Schadensummen und Bergungs- und Havariekosten sind erheblich größer.

Die Blockade des Suezkanals macht deutlich, wie abhängig der globale Handel von Megaschiffen geworden ist. 10 – 12 % des Welthandels werden durch den Suezkanal als schnellste Seeverbindung zwischen Asien und Europa abgewickelt. Allein bei der Blockade durch die „Ever Given“ könnten also schätzungsweise 10 Milliarden Dollar an täglichem Schiffsverkehr und Gütertransport zum Erliegen kommen.

Die Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) gab in ihrer jährlichen Safety & Shipping Study an, dass, bei ausgezeichneter Sicherheitsbilanz des Kanals, vom Jahr 2010 bis 2020 75 Schiffsunfälle gemeldet wurden. Dabei sind Grundberührungen die häufigste Ursache für Schiffsunfälle im Kanal, gefolgt von Maschinenausfällen.

Bild: APA Picturedesk/VVO
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